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Klinische Epidemiologie kurz erklärt / März 1998

Wurde die Randomisierung geheimgehalten?

Im Bericht "Wurde wirklich randomisiert?" wurde gezeigt, dass zur Vermeidung systematischer Fehler bei einer Randomisierung ein echter Zufallsgenerator unerlässlich ist. Eine korrekt hergestellte Randomisierungsliste ist aber sinn- und wirkungslos, wenn sie z. B. offen auf dem Schreibtisch der für die Patientenaufnahme Verantwortlichen liegt. Dann können dieselben Verfälschungen auftreten, wie sie in der letzten Nummer für den Fall vorhersagbarer Zuteilungsmechanismen beschrieben wurden.

Eine weitere unabdingbare Voraussetzung ist somit die Geheimhaltung der Randomisierung (engl. concealment). Hier drei verbreitete Möglichkeiten: «Central Randomization»: Die Randomisierung wird durch eine unabhängige Koordinationsstelle durchgeführt und erst nach telefonischer Bekanntgabe der Patientendaten mitgeteilt. «Coded Pharmacy»: Identisch aussehende Medikamente werden nach Massgabe von Zufallszahlen durch eine unabhängige Stelle im voraus codiert und an die behandelnden Ärzte geliefert. «Sealed Envelopes»: Versiegelte Briefumschläge werden am Ort der Patientenaufnahme gezogen. Diese Möglichkeit ist eher fragwürdig, da hierbei die Geheimhaltung umgangen werden kann.1 Die Verantwortlichen können beispielsweise die Umschläge ins Licht halten oder gar öffnen, um die Patientenzuordnung im voraus zu erfahren.

In der Studie zu Ritonavir bei HIV (siehe: Dokument R77) wurde die Randomisierung mit einem automatisierten Telefonbeantwortersystem geheimgehalten.

Peter Jüni

1 Kennedy A, Grant A: Local sealed envelope randomisation in a multicentre trial: a cautionary tale. 2nd International Conference Scientific Basis of Health Services & 5th Annual Cochrane Colloquium 1997:88 (Abstract)

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