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Klinische Epidemiologie kurz
erklärt / April 1998
Waren die Untersucher «blind»?
Die ärztliche Erwartung eines Erfolges kann die objektive Beurteilung
einer Behandlung verunmöglichen - auch im Rahmen randomisierter Studien:
Wissen die für die Studie verantwortlichen Fachleute, wer welcher
Studiengruppe zugeteilt wurde, so können sie die Wirksamkeit einer
Behandlung massiv überschätzen.1 Praktisch alle Endpunkte,
z.B. ein neurologischer Funktionsstatus1 oder die Pulmonalisangiographie,2
selbst sogenannt «harte» Endpunkte wie die kardiovaskuläre
Mortalität, haben Grauzonen, bei welchen das klinische Ermessen eine
Rolle spielt. Die an der Studie Beteiligten sollten deshalb zwar nicht
im biblischen Sinne «mit Blindheit geschlagen», aber «blind»
gegenüber der Gruppenzuteilung der Untersuchten sein. Es sei denn,
der einzig wirklich «harte» Endpunkt werde hinzugezogen: die
Gesamtmortalität. Die Omeprazol-Vergleichsstudien, die in dieser Nummer
vorgestellt werden (siehe: Dokument R66),
werden als doppelblind bezeichnet. Per definitionem wussten also weder
die Behandelten noch ihre Ärztinnen und Ärzte, wer Omeprazol
und wer die Vergleichssubstanzen nahm. Omeprazol musste aber nur einmal
täglich, die Vergleichssubstanzen 2- bis 4mal täglich eingenommen
werden. Die Publikationen enthalten jedoch keinen Hinweis auf eine entsprechende
Placeboverabreichung. Es ist deshalb zu bezweifeln, dass die Studien tatsächlich
doppelblind waren.
Peter Jüni
1 Noseworthy JH et al. The impact of blinding on the results of a randomized,
placebo-controlled multiple sclerosis clinical trial. Neurology 1994; 44:
16-20 [Medline]
2 Egglin TKP, Feinstein AR. Context bias. A problem in diagnostic radiology.
JAMA 1996; 276: 1752-5 [Medline]
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