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Klinische Epidemiologie kurz erklärt / Juli 1998

Waren die Studienteilnehmer «blind»?

Im Beitrag «Waren die Untersucher blind?» wurde aufgezeigt, dass die «Blindheit» der untersuchenden Fachpersonen zur objektiven Beurteilung einer Behandlung unerlässlich ist. Wahrscheinlich weniger bedeutsam,1 zudem häufig aus ethischen oder organisatorischen Gründen nicht durchführbar, ist die «Blindheit» der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern gegenüber der eigenen Gruppenzuteilung.

Der vielzitierte und vielstrapazierte Placeboeffekt,2 aber auch andere Faktoren, z.B. die Bemühung der Teilnehmer, den Erwartungen ihrer Ärztinnen und Ärzte zu entsprechen,3 können zur Überschätzung eines Behandlungsresultates führen. Deshalb ist es – vor allem bei subjektiven Endpunkten wie Schmerzintensität oder Lebensqualität – wünschenswert, dass die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer im Unwissen darüber gelassen werden, welche von mehreren Vergleichstherapien sie erhalten. Natürlich können sie nur dann «blind» bleiben, wenn sich die verschiedenen Behandlungen genügend ähnlich sind: gleiche Verabreichungsbedingungen, gleiches Aussehen und – bei oral verabreichten Präparaten – ähnlicher Geschmack.

Peter Jüni

1 Noseworthy JH et al. The impact of blinding on the results of a randomized, placebo-controlled multiple sclerosis trial. Neurology 1994; 44: 16-20 [Medline]

2 Beecher HK. The powerful placebo. JAMA 1955; 159: 1602-6

3 Kienle S, Kiene H. The powerful placebo effect: Fact or fiction? J Clin Epidemiol 1997; 50: 1311-8 [Medline]

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