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Klinische Epidemiologie kurz erklärt / August
1998
Umfassen die Resultate wirklich alle
Teilnehmenden?
Jede Person, die zu Beginn einer Studie randomisiert wurde, sollte in
den Schlussfolgerungen berücksichtigt werden. «Aus den Augen
– aus dem Sinn» ist ein für Studien zwar häufiger, aber
ungeeigneter Grundsatz. Diejenigen, die vorzeitig aus der Studie ausscheiden,
könnten eine Verschlechterung erfahren haben oder im schlimmsten Fall
aufgrund der Behandlung verstorben sein. Solche Personen sollten deshalb
nicht nur mit Akribie beschrieben, sondern auch nach dem «Intention-to-treat»-Prinzip
analysiert werden: Alle, die aufgenommen wurden, werden in der Analyse
berücksichtigt, egal ob sie die Studie beendeten oder nicht.
Falls dazu in einem Studienbericht vollständige Angaben und eine
«Intention-to-treat»-Analyse fehlen, kann ein zugegebenermassen
pessimistisches «Worst-case»-Szenario zuhilfegenommen werden:
Alle Personen aus der bevorteilten Behandlungsgruppe, die vorzeitig ausschieden,
erfuhren eine Verschlechterung, diejenigen der benachteiligten Gruppe eine
Verbesserung.1 Werden die ursprünglichen Schlussfolgerungen
durch diese Annahme nicht umgeworfen, so sind sie unverdächtig. In
der «HOT»-Studie (siehe: Dokument
R38) schieden 992 von insgesamt 19'193 randomisierten Personen frühzeitig
aus oder wurden bei den Folgeuntersuchungen verloren. Angaben über
das Schicksal dieser Leute existieren nicht, weder für koronare Ereignisse,
noch für die Gesamtmortalität. Bereits weniger pessimistische
Annahmen als der obenbeschriebene «Worst case» werfen die Schlussfolgerungen
der Studie um.
Peter Jüni
1 Sackett DL, Richardson WS, Rosenberg W, Haynes RB. Evidence-based
medicine. How to practice and teach EBM. New York, Churchill Livingstone;
1997: 95
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