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Klinische Epidemiologie kurz erklärt / November/Dezember 1999

Gesundheitsökonomie – Rückblick

«Gesundheit ist das höchste Gut und um die Gesundheit zu erhalten, ist nichts zu teuer.»1; so dachten bis vor kurzem die meisten. Heute allerdings zwingen die Krankenkassenprämien bereits zu spürbaren Einschränkungen: Jedes «Mehr» an Gesundheitskosten muss gegen andere Bedürfnisse abgewogen werden und unter den LeistungserbringerInnen fordert der Verteilungskampf erste Opfer. Der soziale Charakter der Gesundheitsversorgung verbietet eine rein marktwirtschaftliche Selbstregulation; für Gesellschaft und GesundheitspolitikerInnen stellt sich damit das Problem der Ressourcenallokation. Gesundheitsökonomie hat die Aufgabe, dafür Instrumente zu schaffen; nur so können Entscheide aus Eigeninteresse verhindert werden.

Psychosomatische Leiden sind ein eindrucksvolles Beispiel für die Komplexität von «Gesundheit» und «Kranksein»; Gesundheit umfasst viele Dimensionen und das Messen der Qualität in der Gesundheitsversorgung ist nicht einfach. Auch mit aufwendigen «Cost-Utility»-Ansätzen gelingt die Quantifizierung nur unbefriedigend: Ärztinnen/Ärzte und Pflegende, die sich Zeit nehmen und sich ihren Patientinnen und Patienten emotional zuwenden, haben Mühe, den Nutzen ihrer Anstrengungen zu quantifizieren. Andere ärztliche Leistungen sind dagegen viel einfacher zu quantifizieren, ein Ungleichgewicht, das zum Missbrauch verleitet.

Die Knappheit der Mittel zwingt dazu, Entscheide für die Ressourcenallokation mit Hilfe von gesundheitsökonomischen Daten zu fällen. Bei deren Interpretation möge man aber immer bedenken, dass sie nur Fragmente der «produzierten Gesundheit» quantifizieren; umfassend kann «Gesundheit» mit ökonomischer Methodik nicht erfasst werden.

Jürg P. Bleuer

1 Breyer F, Zweifel P. Gesundheitsökonomie. 1997 Springer Berlin
 
 

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