|
Klinische Epidemiologie kurz erklärt / Mai-Juni
2000
Der umgekehrte Trichter
Normalerweise darf angenommen werden, dass Studien, die auf vielen Daten
beruhen (also z.B. wenn ein Arzneimittel bei vielen Personen untersucht
wurde), eher veröffentlicht werden als solche, deren Originaldaten
spärlich sind. In Analogie zu einer Normalverteilung ist auch zu erwarten,
dass eine ausgesprochen kleine oder ausgesprochen grosse Wirkung eher in
kleineren Studien zu beobachten ist. Wenn man die in einer Metaanalyse
berücksichtigten Studien in einer einfachen Graphik («Plot»)
gemäss der gemessenen Wirkung (Abszisse) und gemäss der Datenmenge
(Ordinate) darstellt, so sollte das Bild eines umgekehrten Trichters («Funnel
Plot») entstehen – es sei denn, es wären z.B. vorwiegend Studien
berücksichtigt worden, die auf wenig Daten beruhen. Eine Metaanalyse,
bei der im «Funnel Plot» nicht das Bild eines umgekehrten
Trichters entsteht, ist wahrscheinlich durch einen systematischen Publikationsfehler
(«bias») verfälscht. Dies trifft z.B. auf die Metaanalyse
zu, die unter dem Titel «Knorpelderivate
bei Arthrose?» beschrieben ist. In diesem Fall sind «einseitig»
viele Studien mit kleinen Datenmengen (wenig Behandelten) und positiven
Resultaten berücksichtigt worden, da offenbar gar keine besseren Studien
veröffentlicht worden sind.
Etzel Gysling
Lesen Sie dazu:
Egger M, Davey Smith G, Schneider M et al. Bias in meta-analysis detected
by a simple graphical test. BMJ 1997; 315: 629-34 [Medline]
[Volltext]
|