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Klinische Epidemiologie kurz erklärt / September 2000

Fall-Kontrollstudien

In einer Fall-Kontrollstudie wird retrospektiv eine Gruppe von Erkrankten (die «Fälle») mit einer Gruppe von Nicht-Erkrankten (den «Kontrollen») bezüglich vermuteter relevanter Merkmale (Risikomerkmale) verglichen. Die Aussagekraft einer Fall-Kontrollstudie wird hauptsächlich dadurch bestimmt, wie gut die Kontrollgruppe und Fallgruppe in anderen als den untersuchten Merkmalen übereinstimmen. Um Verzerrungen vermindern zu können, muss für jede erkrankte Person eine oder mehrere mit gleichem Geschlecht, ähnlichem Alter und Gesundheitszustand für die Kontrollgruppe gesucht werden. Durch dieses «Matching» oder rechnerische Korrekturen können natürlich nur bekannte Risikofaktoren berücksichtigt werden. Die Gefahr der Verzerrung des Resultates durch unbekannte oder schlecht erfassbare Unterschiede («Confounders», «Left Out Variables») bleibt viel grösser als bei einer randomisierten Studie. Weil die Daten ausserdem retrospektiv – primär auf Interviewbasis – erhoben werden, sind auch Verzerrungen durch unterschiedliche Berichte von Vergangenem möglich («Recall Bias»). Vor allem wenn eine Krankheit entweder sehr selten oder das Zeitintervall zwischen Exposition und den daraus resultierenden Komplikationen lang ist, sind häufig keine prospektiv erhobenen Daten verfügbar. In diesen Fällen sind Fall-Kontrollstudien trotz ihrer Mängel häufig die besten uns zur Verfügung stehenden Datenquellen.

Thomas Weissenbach
 

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