|
Klinische Epidemiologie kurz erklärt / März
2001
Vertrauensintervall
Heute haben Vertrauensintervalle («confidence intervals»
oder CIs) einen festen Platz bei der Präsentation von Studienresultaten.
Ein 95% Vertrauensintervall (das entsprechend der üblichen Signifikanzschwelle
von 5% in klinischen Studien meist gewählt wird) bezeichnet sinngemäss
den Bereich, wo ein Resultat mit einer 95%igen Wahrscheinlichkeit zu liegen
käme, wenn die gleiche Studie immer wieder mit anderen Teilnehmern
wiederholt würde. Vertrauensintervall und p-Wert beruhen auf den gleichen
statistischen Grundlagen und lassen sich mathematisch ineinander überführen.
Der Vorteil besteht darin, dass die Präzision des Resultates anhand
anschaulicher Grössen vermittelt wird (während der p-Wert lediglich
die Wahrscheinlichkeit der «Null-Hypothese» widergibt). In
der Fall-Kontroll-Studie zum Schlaganfall-Risiko (Dokument N80)
wird beispielsweise für Betablocker eine «Odds Ratio»
von 2,03 angegeben (d.h. die Chance für einen Schlaganfall war unter
Betablocker doppelt so hoch wie unter einem Thiazid). Das angegebene 95%
Vertrauensintervall (1,05 bis 3,94) zeigt die Präzision des Resultates:
mit 95% Wahrscheinlichkeit liegt das «wahre» Resultat zwischen
1 (gleiche Chancen) und 4 (vierfache Chance unter Betablocker). Da die
untere Grenze knapp über dem Wert 1 (Chancengleichheit) liegt, können
wir schliessen, dass das Resultat statistisch gerade noch signifikant ist
(p-Wert knapp unter 0,05). [Aber Achtung: es lässt sich so nur der
Einfluss von zufälligen Fehlern abschätzen, nicht aber derjenige
von Verzerrungen durch die Anlage der Studie (Selektionsbias durch nicht-randomisierte
Vergleichsgruppen!).]
Peter Ritzmann
|