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Klinische Epidemiologie kurz erklärt / August 2001
«Likelihood Ratio»
Mit der «Likelihood Ratio» (LR) wird der Faktor eines Tests
angegeben, um den ein Testresultat die Chance für das Vorliegen einer
Erkrankung verändert. Entsprechend dem positiven und negativen Voraussagewert
eines Tests gibt es für einen Test jeweils eine LR für ein positives
und ein negatives Testresultat. Berechnet werden diese nach den Formeln:
LRpositiv = Sensitivität/(1-Spezifität) ; LRnegativ
= (1-Sensitivität)/Spezifität.
Bei einem Streptokokken-Schnelltest mit einer Sensitivität von
89%
und einer Spezifität von
81% beträgt beispielsweise
die LRpositiv = 0,89/0,19 = 4,68 und die LRnegativ
= 0,11/0,81 = 0,14.
Die LR eignet sich gut dafür, den Voraussagewert eines Tests abzuschätzen.
Mit Hilfe eines speziellen Nomogramms
nach Fagan kann von einer geschätzten Vortest-Wahrscheinlichkeit
ausgehend direkt die Nachtest-Wahrscheinlichkeit bestimmt werden. Mit dem
oben erwähnten Streptokokken-Schnelltest ergibt sich beispielsweise
bei einer Vortest-Wahrscheinlichkeit von 50% (etwa bei typischer Klinik)
und einem positiven Testresultat eine Wahrscheinlichkeit für eine
Streptokokken-Pharyngitis von etwa 80%. Bei einer tieferen Vortest-Wahrscheinlichkeit
von angenommen 10% (etwa bei atypischer Manifesta-tion) steigt die Nachtest-Wahrscheinlichkeit
hingegen lediglich auf etwa 35%.
Peter Ritzmann
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