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Klinische Epidemiologie kurz erklärt / November-Dezember
2003
Glossar zu den klinischen Studien
Zusammengestellt von Peter Ritzmann
Die folgende alphabetische Liste enthält eine Auswahl
von Begriffen, die bei der Besprechung von klinischen Studien
immer wieder auftauchen.
«allocation concealed»: Damit
die à Randomisierung
nicht unterlaufen werden kann, wird die Zuteilung in die Gruppen
vor den Einschliessenden geheim gehalten.
Benefit: Wird ein erwünschter Endpunkt
(z.B. Symptomfreiheit für ein Jahr) in einer Studie durch
die Intervention verbessert, wird von Benefitzunahme («benefit
increase») gesprochen. Die Benefitzunahme wird gleich
errechnet wie die à Risikoreduktion.
Beobachtungsstudie: Eine Studie, in der Untersuchungen,
aber keine Interventionen an einem Kollektiv durchgeführt
werden. Dazu gezählt werden z.B. à
Kohortenstudien und à
Fall-Kontroll-Studien.
«bias»:à
Fehler, systematischer
«confounding» («left
out variable error»): Systematischer Fehler,
verursacht durch bekannte oder unbekannte Faktoren, die den
untersuchten Endpunkt beeinflussen, aber bei der Analyse nicht
berücksichtigt werden (können). (infomed-screen
März 2000)
«cluster randomized trial»:à
Randomisiert-kontrollierte Studie, in der nicht einzelne Personen
sondern ganze Gruppen (z.B. Patientinnen einer Praxis) nach
dem Zufall der Interventions- oder Kontrollgruppe zugeteilt
werden. Wird eingesetzt z.B., um Effekte einer Intervention
in Praxen oder Kliniken zu erfassen.
doppelblind: Waren Untersuchende wie auch
Untersuchte «verblindet» (à
Verblindung) bezüglich der durchgeführten Intervention,
wird von einer «doppelblinden» Studienanordnung
gesprochen.
Endpunkt: Ereignisse/Parameter die der Fragestellung
entsprechend in einer Studie registriert werden (z.B. Cholesterin-Werte,
Myokardinfarkte, Todesfälle). Je nach ihrer klinischen
Relevanz werden Endpunkte als «hart» oder «weich»
bezeichnet (à Surrogatparameter).
Endpunkt, primärer: Derjenige Endpunkt,
auf den die Studienanlage zugeschnitten ist. Die erforderliche
Studiengrösse und die à«Macht»
der Studie wird für diesen Endpunkt berechnet.
Fall-Kontroll-Studie: Eine restrospektive
Studie, wo zu einer Gruppe von Merkmalsträgern (z.B.
Frauen mit osteoprotischen Wirbelbrüchen) eine sonst
möglichst vergleichbare Kontrollgruppe ohne das untersuchte
Merkmal gesucht wird («matching»). Gesucht werden
Unterschiede in der Vorgeschichte (z.B. Milchkonsum, Einnahme
von Kontrazeptiva), die das Auftreten des untersuchten Merkmals
erklären könnten. (infomed-screen
September 2000)
Fehler, systematischer («bias»):
Durch die Studienanlage verursachte Verzerrung der Resultate.
Verursacht z.B. durch nicht zufällige Auslese der Vergleichsgruppen
(Selektions-Bias) u.a.
«Gold-Standard»: Referenz-Verfahren
zum Nachweis einer Krankheit, mit dem die Resultate eines
diagnostischen Tests verglichen werden können.
«hazard ratio»: «Hazard»
bezeichnet die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmtes Ereignis
eintritt. Wie bei eineràÜberlebenszeitanalyse
wird dabei der Zeitpunkt berücksichtigt, wann das Ereignis
eintritt. Im Gegensatz zum relativen Risiko wird also mit
einer «hazard ratio» nicht nur ein Ausbleiben
sondern auch ein späteres Eintreffen eines Ereignisses
als Effekt erfasst. Der Effekt sieht deshalb meistens grösser
aus, wenn er als «hazard ratio» dargestellt wird.
«intention to treat»: Bei der
Auswertung der Studienresultate werden alle Untersuchten zu
der Studiengruppe gerechnet, in die sie vor Beginn der Intervention
zugeteilt waren (auch wenn die Intervention nicht wie geplant
durchgeführt wurde). (infomed-screen
Januar 1997, infomed-screen August
1998)
Interventionsstudie: Im Gegensatz zur à
Beobachtungsstudie wird ein Studienkollektiv nicht nur beobachtet,
sondern es wird auch eine Intervention durchgeführt.
Kohortenstudie: à
Beobachtungsstudie, in der eine Gruppe von Personen («Kohorte»)
mit bestimmten gemeinsamen Merkmalen (z.B. Wohnort, Altersgruppe,
Krankheiten) über einen bestimmten Zeitraum hinweg beobachtet
wird (z.B. auf das Auftreten von neuen Erkrankungen oder Komplikationen).
(infomed-screen August 2000)
«likelihood ratio»: Das Verhältnis,
in dem sich durch einen diagnostischen Test die Chance («odds»)
ändert, dass die gesuchte Krankheit vorliegt. Angegeben
als «likelihood ratio» für ein positives
Testresultat (LRpos = Sensitivität/[1-Spezifität])
und für ein negatives Testresultat (LRneg = [1 - Sensitivität]
/ Spezifität). (infomed-screen August
2001)
«Macht» («power»):
Die errechnete Wahrscheinlichkeit, mit der eine Studie einen
bestimmten Effekt (z.B. Verminderung der Todesfälle)
statistisch signifikant erfassen kann. Hängt ab von der
Studiengrösse, vom Signifikanz-Niveau und von der absoluten
Risikoreduktion. (infomed-screen August
1997, infomed-screen Oktober 1997,
infomed-screen April 2001)
Metaanalyse: Statistische Methode, um Resultate
von Studien mit ähnlicher Fragestellung und ähnlichem
Studiendesign zusammenzufassen. (infomed-screen
Oktober 2000)
Nachtest-Wahrscheinlichkeit («posttest probability»):
Die Wahrscheinlichkeit, dass nach Durchführung eines
diagnostischen Tests die gesuchte Krankheit tatsächlich
vorhanden ist. Kann auf dem Nomogramm nach Fagan (Abb. 1)
abgelesen werden, wenn die à
Vortest-Wahrscheinlichkeit für die Erkrankung und die
à«likelihood ratio»
des verwendeten Tests bekannt ist. (infomed-screen
August 2001)
«number needed to treat» (NNT):
Zahl der Personen, die behandelt werden müssen, um eine
Ereignis zu verhindern. Entspricht dem Reziprokwert der absoluten
Risikoveränderung (à
Risikoreduktion, absolute). NNT = 1 / ARR. (infomed-screen
Februar 1997)
«odds ratio»: «Odds»
entspricht der «Chance», dass ein bestimmtes Ereignis
eintritt, bezeichnet also etwas Ähnliches wie ein Risiko,
wird aber (wie beim Pferderennen) als Verhältnis (z.B.
1:9) angegeben. Die «odds ratio» ist das Verhältnis
von zwei Chancen in verschiedenen Gruppen und wird wie das
relative Risiko als Dezimalbruch angegeben. (infomed-screen
April 2000)
«outcome»: Das Untersuchungsergebnis
einer Studie bezüglich der à
Endpunkte.
Prädiktiver Wert: Anteil der Getesteten,
deren Testergebnis das Vorliegen der gesuchten Krankheit korrekt
wiedergibt. Auf Vierfelder-Tafel (Abb. 2): Prädiktiver
Wert für ein positives Testresultat (positiver Voraussagewert)
= a / [a + b]; für ein negatives Resultat (negativer
Voraussagewert) = d / [c + d]. (infomed-screen
August 2001)
«publication bias»: Systematischer
Fehler (à Fehler, systematischer)
bei einer à Metaanalyse,
verursacht durch unterschiedliche Publikations-Chancen von
Studien (z.B. durch positives oder negatives Resultat). (infomed-screen
Mai/Juni 2000, infomed-screen Oktober
2000)
p-Wert («probability»): Bezeichnet
die Wahrscheinlichkeit der «Null-Hypothese», d.h.
dass das beobachtete Resultat durch Zufall zustande kam. Wird
in Dezimalbrüchen angegeben (0,05 entspricht 5%). (infomed-screen
Mai/Juni 1997, infomed-screen Februar
2001)
Randomisiert-kontrollierte Studie: Eine à
Interventionsstudie bei der die Zuteilung in die Interventions-
bzw. Kontroll-Gruppen nach dem Zufall erfolgt. (infomed-screen
Februar 1998, infomed-screen März
1998, infomed-screen September 1998)
Risiko, relatives (RR): Das Verhältnis
der Risiken für ein bestimmtes Ereignis (z.B. Hirnschlag)
in zwei Vergleichsgruppen (siehe auch à«odds
ratio»).
Risikoreduktion, absolute (ARR): Verminderung
des absoluten Risikos für ein Ereignis durch eine Intervention.
Wird in Prozenten angegeben und berechnet als Differenz zwischen
den Ereignisraten in Interventions- (EER) und Kontrollgruppe
(CER). ARR = |EER - CER|. (infomed-screen
Februar 1997)
Risikoreduktion, relative (RRR): Verminderung
des Risikos im Verhältnis zum Risiko in der Kontrollgruppe.
Wird in Prozenten angegeben und berechnet aus den Ereignisraten
in Interventions- (EER) und Kontrollgruppe (CER). RRR = |EER
- CER| / CER.
Risikozunahme: Nimmt durch die Intervention
das Risiko für einen unerwünschten à
Endpunkt zu, wird von relativer bzw. absoluter Risikozunahme
(ARI) gesprochen. Wird gleich berechnet wie eine à
Risikoreduktion.
Sensitivität: Anteil der tatsächlich
an der gesuchten Krankheit Leidenden, der im diagnostischen
Test ein positives Resultat aufweist. Vierfelder-Tafel (Abb.
2): a / [a + c]. (infomed-screen Mai/Juni
2001)
Signifikanz, statistische: Als statistisch
signifikant gilt ein Resultat, wenn die errechnete Wahrscheinlichkeit,
dass es zufällig zu Stande gekommen ist, eine bestimmte
Grenze unterschreitet (in klinischen Studien meistens 5% oder
0,05; siehe auch à p-Wert).
(infomed-screen Februar 2001)
Spezifität: Anteil der nicht an der
gesuchten Krankheit Leidenden, der im diagnostischen Test
ein negatives Resultat aufweist. Vierfelder-Tafel (Abb. 2):
d / [d + b]. (screen Mai/Juni 2001) (infomed-screen
Mai/Juni 2001)
Studie, prospektive: Die Studienpopulation
wird vorgängig definiert (z.B. HIV-Positive) und anschliessend
beobachtet (z.B. bezüglich Auftreten von AIDS-definierenden
Erkrankungen) (à Kohortenstudie).
(infomed-screen Juli 2000)
Studie, retrospektive: Bei einer im nachhinein
definierten Studienpopulation (z.B. Pflegeheim-Insassen) werden
frühere Merkmale (z.B. Zigarettenrauchen) in Beziehung
zu inzwischen eingetretenen Endpunkten (z.B. Alzheimer-Demenz)
gesetzt. (infomed-screen Juli 2000)
Surrogatmarker: Ein für sich allein
wenig bedeutender Endpunkt (z.B. Knochendichte), der an Stelle
eines klinisch relevanteren Endpunktes (z.B. pathologische
Fraktur) untersucht wird. (infomed-screen
September 1997, infomed-screen September
2001)
Systematische Übersicht: Anhand von
bereits durchgeführten Studien soll eine bestimmte Frage
möglichst zuverlässig beantwortet werden. Vorgängig
werden Einschlusskriterien für die Studien definiert
und diese dann systematisch gesucht. Häufig werden die
Resultate der einzelnen Studien in einer à
Metaanalyse zusammengefasst. (infomed-screen
Oktober 2000)
Überlebenszeitanalyse: Verschiedene
statistische Verfahren (z.B. «Logrank-Test», «Kaplan-Meier-Kurve»,
«Sterbetafel-Analyse») werden eingesetzt, um Einflüsse
auf die Mortalität zu erfassen. Sie werden aber zunehmend
auch auf andere Endpunkte angewendet (z.B. «ereignisfreies
Überleben», «progressionsfreies Überleben»).
Validität: Die «Verlässlichkeit»
der Studienergebnisse. Interne Validität: Sind die beobachteten
Resultate in Bezug auf das untersuchte Kollektiv valide? Externe
Validität: können die Studienresultate auf die Situation
in Klinik und Praxis übertragen werden? (infomed-screen
Januar 2001)
Verblindung: Die Teilnehmenden und/oder die
Untersuchenden sollen nicht herausfinden können, bei
wem welche Intervention durchgeführt wird. Je nach Art
der Intervention werden verschiedene Methoden eingesetzt («Placebo-Interventionen»).
(infomed-screen April 1998 und Juli
1998)
Vertrauensintervall, («confidence intervall»,
CI): Bezeichnet den Bereich, in dem aufgrund statistischer
Berechnungen mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit (z.B.
95%) das «wahre» Resultat liegt (siehe auch à
Signifikanz, statistische). (infomed-screen
April 1997, infomed-screen März
2001)
Vortest-Wahrscheinlichkeit («pretest probability»):
Die Wahrscheinlichkeit vor Durchführung eines diagnostischen
Tests, dass die gesuchte Krankheit vorliegt. Entspricht der
Prävalenz der Erkrankung im untersuchten Kollektiv. (infomed-screen
August 2001)
Abb. 1. Nomogramm zur Interpretation von Testresultaten (nach Fagan
TJ. Letter: Nomogram for Bayes theorem. N Engl J Med. 1975; 293: 257)
Abb. 2. Vierfelder-Tafel: Vergleich von Resultaten eines untersuchten
Verfahrens mit denjenigen einer anerkannten Methode
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