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  • Antikörper gegen Migräne: Substanzwechsel bei Nichtansprechen?
  • Verfasst von: Urspeter Masche
  • Datum: 24. Februar 2020

Mittlerweile sind drei monoklonale Antikörper im Handel, die das «Calcitonin-Gene-Related-Peptide» (CGRP) beeinflussen und zur Prophylaxe der Migräne zugelassen sind. Die drei Substanzen haben nicht den identischen Wirkmechanismus: Erenumab (Aimovig®) blockiert den CGRP-Rezeptor, während sich Galcanezumab (Emgality®) und Fremanezumab (Ajovy®) an freie CGRP-Moleküle binden. Somit wäre es denkbar, dass Leute, die auf Erenumab ungenügend ansprechen, von einem Wechsel auf Galcanezumab oder Fremanezumab profitieren könnten (bzw. umgekehrt). Gemäss einem Artikel in der Zeitschrift «Arzneiverordnung in der Praxis» existieren zu dieser Frage aber keine Daten aus kontrollierten Studien, so dass man im Einzelfall abwägen muss, ob bei Nichtansprechen ein Wechsel der Substanz zu versuchen wäre.

Volltext des AVP-Artikels: Monoklonale Antikörper zur Prophylaxe von Migräne – Wechsel bei Nichtansprechen?

«pharma-kritik»-Texte (nur mit Abonnement/Passwort zugänglich): Erenumab und Galcanezumab

  • Anthrazykline und Trastuzumab (Herceptin® u.a.): Erhöhte Kardiotoxizität bei Übergewicht
  • Verfasst von: Urspeter Masche
  • Datum: 20. Februar 2020

In einer Kohortenstudie befasste man sich mit 929 Frauen, die an einem nicht metastasierenden Mammakarzinom erkrankt waren und mit potentiell kardiotoxischen Medikamenten wie Epirubicin (Farmorubicin® u.a.), Doxorubicin (Adriblastin® u.a.) oder Trastuzumab behandelt wurden. Nach einer mittleren Beobachtungszeit von knapp zwei Jahren zeigte sich, dass sich bei Frauen mit Übergewicht (BMI  25 kg/m²) signifikant häufiger eine Abnahme der linksventrikulären Auswurfsfraktion entwickelt hatte als bei Frauen mit Normalgewicht.

Volltext der Studie aus «PLOS Medicine»: Association of body mass index and cardiotoxicity related to anthracyclines and trastuzumab in early breast cancer: French CANTO cohort study

  • Biotin kann Laborresultate verfälschen
  • Verfasst von: Urspeter Masche
  • Datum: 17. Februar 2020

Biotin (auch als Vitamin B7 oder als Vitamin H bezeichnet) wird bei einem Biotinmangel eingesetzt, ist aber auch in frei verkauften Nahrungsergänzungsmitteln enthalten. Von Arzneimittelbehörden wurde vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass diverse Labortests falsche Ergebnisse liefern können, wenn Biotin eingenommen wird; dies kann – zum Beispiel im Fall von Troponin – auch gravierende Konsequenzen haben. Es wird deshalb empfohlen, vor Laboruntersuchungen die Patienten und Patientinnen zu einer Biotineinnahme zu befragen und allenfalls Rücksprache mit dem Labor zu nehmen; auch sollte man, wenn sich klinisches Bild und Laborbefunde widersprechen, an eine Biotininterferenz denken.

In Deutschland verschickter «Dear-Doctor-Letter»: Risiko falscher Ergebnisse von Laboruntersuchungen durch Biotininterferenzen

Liste aus «MMW – Fortschritte der Medizin»: Laborparameter, die sich unter Biotin ändern können

  • Steroide können Frühgeburtlichkeit erhöhen
  • Verfasst von: Urspeter Masche
  • Datum: 16. Februar 2020

In einer retrospektiven Studie wurde untersucht, ob sich Steroide auf die Dauer einer Schwangerschaft auswirken können. Das Kollektiv umfasste 528 schwangere, an einer rheumatoiden Arthritis leidene Frauen. Die Analyse ergab, dass sich das Risiko, vor der 37. Schwangerschaftswoche zu gebären, zum Teil signifikant erhöht, wenn in den ersten 20. Schwangerschaftswochen Steroide eingenommen werden. Für eine hohe Steroiddosis (Prednisonäquivalent von Ø 16 mg/Tag) errechnete sich ein relatives Risiko von 4,77 (2,76–8,26) und für eine mittlere Steroiddosis ( Ø 8 mg/Tag) ein RR von 1,81 (1,10–2,97); lediglich mit einer niedrigen Steroiddosis (Ø 7 mg/Tag) war der Unterschied zur Kontrollgruppe nicht signifikant.

Kurzform der Studie aus «Rheumatology»: Oral corticosteroid use during pregnancy and risk of preterm birth

  • Pharmafirmen mischen kräftig bei Patientenorganisationen mit
  • Verfasst von: Urspeter Masche
  • Datum: 9. Februar 2020

Eine systematische Übersicht bestätigt, wie Pharmafirmen ihre Interessen verfolgen, indem sie Patientenorganisationen finanziell unterstützen. Schätzungsweise 20 bis über 80% der Patientenorganisationen agieren industrieunterstützt, und nur rund ein Viertel der Patientenorganisationen legt diese Begünstigungen offen. Ausserdem zeigte sich, dass industrieuntersützte Patientenorganisationen dazu tendieren, sich im Sinne ihrer Sponsoren zu äussern.

Volltext der systematischen Übersicht aus dem BMJ: Industry funding of patient and health consumer organisations: systematic review with meta-analysis

«infomed-screen»-Text (nur mit Abonnement/Passwort zugänglich): Sind Patientenorganisationen unabhängig?

  • ACE-Hemmer und Psoriasis
  • Verfasst von: Urspeter Masche
  • Datum: 8. Februar 2020

Der französischen Nebenwirkungsdatenbank sind zwischen 1985 und 2018 hundert Fälle zugetragen worden, die einen Zusammenhang zwischen der Einnahme eines ACE-Hemmers und dem Auftreten einer Psoriasis beschreiben. Indem man diese Psoriasisfälle mit der Anzahl anderer gemeldeter Nebenwirkungen verglich, liess sich eine «Reporting Odds Ratio» berechnen. Sie betrug für alle ACE-Hemmer zusammen 2,40 (1,96–2,95) und lag auch bei den einzelnen ACE-Hemmern mehrheitlich im signifikanten Bereich. Die Vermutung, dass ACE-Hemmer eine Psoriasis hervorrufen können, wird somit bekräftigt.

Kurzform der Studie aus «Drug Safety»: Psoriasis After Exposure to Angiotensin-Converting Enzyme Inhibitors: French Pharmacovigilance Data and Review of the Literature

«pharma-kritik»-Text (nur mit Abonnement/Passwort zugänglich): Medikamentös induzierte Psoriasis

  • Steroidinjektionen bei Plantarfasziitis nicht wirksamer als Placebo
  • Verfasst von: Urspeter Masche
  • Datum: 2. Februar 2020

In einer Metaanalyse wurden 39 randomisierte Studien zusammengefasst, in denen bei Plantarfasziitis Steroidinjektionen mit anderen Behandlungsmethoden (physikalische Behandlungen; Injektionen mit Placebo, plättchenreichem Plasma u.a.) verglichen worden waren. Insgesamt lieferte die Metaanalyse keine überzeugenden Argumente zugunsten von Steroidinjektionen. Am auffallendsten war, dass Schmerzen – über eine Dauer von drei Monaten beobachtet – durch Steroidinjektionen nicht besser gelindert wurden als durch Placeboinjektionen.

Volltext der Studie aus «BMC Musculoskeletal Disorders»: Corticosteroid injection for plantar heel pain: a systematic review and meta-analysis

Früherer Telegramm-Text: Plantarfasziitis: Keine Hilfe durch Orthesen