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  • Furosemid (Lasix® u.a.) und Kochsalz scheinen beim Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH) unnötig
  • Verfasst von: Urspeter Masche
  • Datum: 30. Dezember 2020

In einer randomisierten Studie wurden 92 Personen, die an einer durch ein SIADH verursachten Hyponatriämie (Na+ ≤ 130 mmol/l) litten, auf drei Gruppen verteilt: Der ersten auferlegte man eine reine Flüssigkeitsrestriktion, in der zweiten wurde die Flüssigkeitsrestriktion mit Furosemid (20 bis 40 mg/Tag) kombiniert, und in der dritten wurden als weitere Massnahme Kochsalz-Tabletten (3-mal 1 g/Tag) verabreicht. Die Behandlung dauerte 28 Tage. In allen drei Gruppen stieg die Natriumkonzentration innerhalb von vier Tagen um durchschnittlich 5 mmol/l an; auch im weiteren Studienverlauf ergaben sich bei der Natriumkonzentration in den drei Gruppen keine relevanten Unterschiede.

Kurzform der Studie aus dem «American Journal of Kidney Diseases»: Efficacy of Furosemide, Oral Sodium Chloride, and Fluid Restriction for Treatment of Syndrome of Inappropriate Antidiuresis (SIAD)

  • Anämie durch Metformin (Glucophage® u.a.)
  • Verfasst von: Urspeter Masche
  • Datum: 17. Dezember 2020

Eine britische Studiengruppe hat zwei randomisierte und eine Beobachtungsstudie analysiert, in denen bei Personen mit Typ-2-Diabetes unter anderem Metformin eingesetzt worden war. In den beiden randomisierten Studien zeigte sich, dass in den mit Metformin behandelten Gruppen signifikant häufiger eine Anämie (Hb < 11 g/dl) aufgetreten war als in Vergleichsgruppen. Aus der Beobachtungsstudie wurde abgeleitet, dass das jährliche Anämierisiko mit jedem Gramm Metformin pro Tag um 2% steigt.
Es ist bekannt, dass Metformin einen Vitamin-B12-Mangel hervorrufen kann. Da sich die Anämie in den untersuchten Studien aber relativ bald nach Beginn der Metformin-Behandlung entwickelt hatte, geht man davon aus, dass sie nicht nur fehlendem Vitamin B12 zugeschrieben werden kann.

Volltext der Studie aus «Diabetes Care»: Risk of Anemia With Metformin Use in Type 2 Diabetes: A MASTERMIND Study

  • Keine Artemisia-Produkte in der Schwangerschaft
  • Verfasst von: Urspeter Masche
  • Datum: 15. Dezember 2020

Verschiedene Arten der Pflanzengattung Artemisia werden vor allem in der Komplementärmedizin oder als Gewürze genutzt, so zum Beispiel Wermut (Artemisia absinthium), Gemeiner Beifuss (Artemisia vulgaris) oder Einjähriger Beifuss (Artemisia annua). Auch bei der Synthese von Artemether, das in Kombination mit Lumefantrin als Malariamittel verwendet wird (Riamet®), stammt der Ausgangsstoff von Artemisia annua. Die australische Arzneimittelbehörde hat kürzlich eine Warnung publiziert, dass in der Schwangerschaft (insbesondere im ersten Trimenon) keine Artemisia-Produkte eingenommen werden sollten. Aus Tierversuchen gäbe es klare Hinweise, dass Artemisia-Produkte den Embryo schädigen und Aborte verursachen können.

Mitteilung der australischen «Therapeutic Goods Administration»: Listed medicines containing Artemisia species: Safety advisory - potential risk during pregnancy



  • Niraparib (Zejula®): Blutdruckanstieg sowie posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom
  • Verfasst von: Urspeter Masche
  • Datum: 10. Dezember 2020

Niraparib ist ein Poly-ADP-Ribose-Polymerase-Hemmer und wird eingesetzt bei der Erhaltungstherapie von serösen Ovarial-, Eileiter- und primären Peritonealkarzinomen, wenn eine platinhaltige Chemotherapie vorangegangen ist. Abgeleitet aus Fallberichten, ist davon auszugehen, dass bei bis zu 1‰ der mit Niraparib Behandelten als Nebenwirkung entweder ein schwerer Blutdruckanstieg oder ein posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom auftreten kann.

Mitteilung aus «Drug Safety Update»: Niraparib: reports of severe hypertension and posterior reversible encephalopathy syndrome (PRES), particularly in early treatment

Früherer BDN-Text zum posterioren reversiblen Enzephalopathie-Syndrom: Posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom: Zunehmend durch Medikamente bedingt

  • Fluorochinolone und Herzklappenerkrankungen
  • Verfasst von: Urspeter Masche
  • Datum: 8. Dezember 2020

Fluorochinolone erhöhen offenbar auch das Risiko einer Aorten- oder Mitralklappeninsuffizienz. So hat eine epidemiologische Studie ergeben, dass solche Herzklappenveränderungen unter Fluorochinolonen ungefähr zweimal häufiger vorkommen als unter anderen Antibiotika wie Amoxicillin (Clamoxyl® u.a.) oder Azithromycin(Zithromax® u.a.). Speziell gefährdet seien unter anderem Personen mit vorbestehenden Herzklappenanomalien oder mit Bindegewebserkrankungen (Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom).

Französischer «Dear Doctor Letter»: Antibiotiques de la famille des fluoroquinolones administrés par voie systémique et inhalée: risque de régurgitation/insuffisance des valves cardiaques

  • Vitamin C scheint Eisenaufnahme nicht entscheidend zu verbessern
  • Verfasst von: Urspeter Masche
  • Datum: 3. Dezember 2020

Gemäss verbreiteter Meinung unterstützt Vitamin C die gastrointestinale Resorption von Eisen. Das Ergebnis einer aktuellen Studie lässt allerdings daran zweifeln, dass es sich um einen klinisch bedeutsamen Effekt handelt. 440 Personen mit einer Eisenmangel-Anämie hatten drei Monate lang entweder Eisentabletten (3-mal 100 mg/Tag) plus Vitamin C (3-mal 200 mg/Tag) oder nur Eisentabletten allein bekommen. Der Hämoglobin-Spiegel wurde nach 2, 4, 6 und 8 Wochen kontrolliert, wobei sich zu allen vier Zeitpunkten kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen ergab. Auch die nach 8 Wochen gemessene Ferritin-Konzentration war praktisch gleich.

Volltext der Studie aus «JAMA Network Open»: The Efficacy and Safety of Vitamin C for Iron Supplementation in Adult Patients With Iron Deficiency Anemia

  • Ibuprofen bei Kleinkindern wirksamer als Paracetamol
  • Verfasst von: Urspeter Masche
  • Datum: 2. Dezember 2020

In einer systematischen Übersicht wurden 19 randomisierte und nichtrandomisierte Studien analysiert, in denen man bei Kindern unter 2 Jahren die kurzfristige Behandlung von Fieber oder Schmerzen mit Ibuprofen oder Paracetamol miteinander verglichen hatte. Die Metaanalyse der Daten aus den randomisierten Studien zeigte, dass Ibuprofen in den ersten 24 Stunden eine bessere Wirkung auf Fiebersenkung und Schmerzlinderung hat als Paracetamol. Bei den Nebenwirkungen fand man zwischen den beiden Substanzen keine signifikanten Unterschiede. Die Qualität der berücksichtigten Studien wird aber als insgesamt mittelmässig bezeichnet.

Volltext der Studie aus «JAMA Network Open»: Comparison of Acetaminophen (Paracetamol) With Ibuprofen for Treatment of Fever or Pain in Children Younger Than 2 Years – A Systematic Review and Meta-analysis

  • Vitamin D und ω-3-Fettsäuren schützen nicht vor Makuladegeneration
  • Verfasst von: Urspeter Masche
  • Datum: 1. Dezember 2020

Aus Beobachtungsstudien gab es Hinweise, dass Vitamin D und ω-3-Fettsäuren eine schützende Wirkung gegenüber einer altersbedingten Makuladegeneration ausüben. Ob sich dies in einer kontrollierten Studie bestätigen lässt, wurde mit den Daten der VITAL-Studie überprüft; diese Doppelblindstudie hatte primär zum Ziel, den Effekt von Vitamin D und ω-3-Fettsäuren auf die Häufigkeit von Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu untersuchen. Fast 26’000 Personen wurden auf vier Gruppen verteilt und nahmen Vitamin D plus ein Fischölpräparat, nur eines von den beiden oder Placebo. Nach einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von fünf Jahren zeigte sich, dass weder Vitamin D noch ω-3-Fettsäuren die Zahl der neu diagnostizierten oder fortschreitenden Makuladegenerationen signifikant verringern.

Kurzform der Studie aus dem «JAMA Ophthalmology»: Effect of Vitamin D and ω-3 Fatty Acid Supplementation on Risk of Age-Related Macular Degeneration