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Unabhängige Quellen (September 2021)

  • Autor(en): Etzel Gysling
  • pharma-kritik-Jahrgang 43 , Nummer 4, PK1172
    Redaktionsschluss: 30. September 2021
  • Desmopressin für Nykturie ungeeignet
    Desmopressin (Nocdurna® u.a.) kann zu einer gefährlichen Hyponaträmie führen.

    Bärentrauben-Präparat enttäuscht
    Die Wirkung von Bärentraubenblättern ist wenig überzeugend. Harnwegsinfekte bei Frauen können «expektativ» (mit einem Antibiotikum in Reserve) behandelt werden.

    Loperamid als Ursache von Pankreatitis
    Eine Pankreatitis infolge von Loperamid wird besonders bei cholezystektomierten Personen beobachetet.

    To Crush or Not To Crush
    Nicht alle Arzneimittelformen sind einfach einzunehmen. Es dürfen aber auch nicht alle zerstossen werden!

    Sind Vitamin- und Mineralstoffpräparate harmlos?
    Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ist nicht immer ganz problemlos.

    Leuprorelin bei vorzeitiger Pubertät
    In den USA steht ein neues, länger wirksames Präparat des Gonadotropin-Agonisten Leuprorelin zur Verfügung.
Desmopressin für Nykturie ungeeignet
Desmopressin ist ein synthetisches Analogon des antidi-=uretischen Hormons Vasopressin. Im amerikanischen Bulletin «Worst Pills, Best Pills» wird das zur Behandlung der Nykturie bei Erwachsenen zugelassene Desmopressin-Präparat (Nocdurna®) begutachtet. Dieses Präparat war seit 2010 mehrfach von der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA abgelehnt und erst 2018 zugelassen worden. Im Durchschnitt wird damit erreicht, dass Frauen auf fünf Nächte einmal weniger, Männer auf zwei bis drei Nächte einmal weniger zwecks Miktion aufstehen müssen. Das Präparat verursacht aber bei rund 4% der Behandelten eine riskante Hyponaträmie und sollte deshalb vermieden werden.

Bärentrauben-Präparat enttäuscht
Das arznei-telegramm beurteilt die Resultate einer Studie mit einem Bärentraubenblätter-Extrakt (Arctuvan®) als nicht überzeugend. 398 Frauen mit den Anzeichen eines unkomplizierten Harnwegsinfekts erhielten randomisiert für 5 Tage Arctuvan-Tabletten oder eine Einmaldosis von Fosfomycin (Monuril® u.a.). (In der Schweiz sind lediglich Bärentraubenblätter-Tees erhältlich.) Im Vergleich mit Frauen, die Fosfomycin erhielten, mussten die Frauen in der Arctuvan-Gruppe innerhalb von 4 Wochen um etwa 64% seltener antibiotisch behandelt werden. Letztere waren jedoch in der ersten Woche von mehr Beschwerden geplagt und nahmen häufiger Schmerzmittel. Während der vierwöchigen Beobachtungszeit benötigten mit Arctuvan behandelte Frauen mehr ärztliche Konsultationen und erkrankten häufiger an einer Pyelonephritis als die Frauen, die Fosfomycin erhalten hatten. Wenn bei einem Harnwegsinfekt primär Antibiotika vermieden werden sollen, können reichliche Trinkmengen empfohlen und ein Antibiotikum «in Reserve» verordnet werden.

Geschätzte Lesedauer: Von 4 bis 6 Minuten

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Unabhängige Quellen (September 2021) (30. September 2021)
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pharma-kritik, 43/No. 4
PK1172