Kunstfehler

  • Autor(en): Etzel Gysling
  • pharma-kritik-Jahrgang 47 , Nummer 1, PK1401
    Redaktionsschluss: 1. Oktober 2025
Vor vielen Jahren, kurz nachdem ich eine eigene Praxis eröffnet hatte, sah ich bei einer Notfallkonsultation einen Patienten, der von seinem Hausarzt zwei Medikamente verschrieben erhalten hatte, deren Kombination ihn einer bedeutsamen Blutungsgefahr aussetzten. Ich war damals ziemlich entsetzt, dass diese Interaktion nicht beachtet worden war. Mit dem Absetzen des einen Wirkstoffes korrigierte ich die Situation, konnte mich aber nicht dazu entschliessen, den verschreibenden Kollegen mit meinem Besserwissen zu brüskieren. Seither sind viele Jahre vergangen und meine Meinung zu ärztlichen Fehlern hat sich gewandelt. So unangenehm es ist, habe ich mich mit der Wahrscheinlichkeit abfinden müssen, dass mir wohl im Laufe meiner ärztlichen Tätigkeit Fehler passiert sind, die für die behandelten Patientinnen oder Patienten keineswegs belanglos waren. Dabei ist es natürlich so, dass ich – so wenig wie die grosse Mehrheit der Ärzteschaft – nie eines Kunstfehlers angeklagt worden bin. Es sind vielmehr Fehler, deren ich mir gar nicht bewusst wurde und die auch für die Betroffenen keine offensichtlichen Konsequenzen hatten. Ich habe auch gelernt, dass ärztliche Fehler auf jedem Niveau vorkommen, selbst Chefärztinnen und Professoren sind nicht immun dagegen.

Ärztliche Fehler sind zudem keineswegs ausschliesslich ein individuelles Problem. Wenn wir nämlich nur ein paar Jahrzehnte zurückschauen, wird offensichtlich, wie sehr die Heilkunst immer schon fehlerhaft war. Mit der grössten Selbstverständlichkeit und mit dem vollen Einverständnis der «Opinion Leaders» wurden Therapien verschrieben, die nach heutigem Verständnis eine völlig unbefriedigende Nutzen/Risiko-Bilanz aufweisen. Das längst verschwundene Phenylbutazon war z.B. lange Zeit ein oft favorisiertes und allzu häufig zu hoch dosiertes Schmerzmittel. Es überrascht nicht, dass in früheren Jahrhunderten noch weit Schlimmeres ärztlich verordnet wurde. Die Medizingeschichte ist voll von Fehlern und Irrtümern. Was können wir daraus lernen? Gewiss, die zunehmend Evidenz-basierte Medizin ist weniger fehlerträchtig als dies früher der Fall wa
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Kunstfehler (1. Oktober 2025)
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pharma-kritik, 47/No. 1
PK1401
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