Valproinsäure-Behandlung des Vaters riskant für ungeborene Kinder

  • Autor(en): Natalie Marty
  • pharma-kritik-Jahrgang 47 , Nummer 2, PK1408
    Publikationsdatum: 26. Februar 2026
    DOI: https://doi.org/10.37667/pk.2025.1408
  • Im Vergleich mit Kindern, deren Vater andere Antiepileptika
    erhielt, treten bei Kindern von Valproinsäure-behandelten Vätern häufiger neurologische Entwicklungsstörungen auf
Das teratogene Potential einer mütterlichen Exposition gegenüber Valproinsäure (Convulex® u.a.) ist umfassend dokumentiert. Zu möglichen Auswirkungen einer väterlichen Exposition vor der Konzeption gab es bisher jedoch nur wenig Studiendaten. Valproinsäure wirkt unter anderem als Hemmer der Histon-Desacetylasen und kann dadurch Genexpressionsmuster verändern. Während des Spermatogenese-Zyklus, der etwa 74 Tage dauert, kann die Einnahme von Medikamenten Auswirkungen haben. Die vorliegende retrospektive Beobachtungsstudie wurde aufgrund einer Empfehlung des Ausschusses für Pharmakovigilanz-Risikobewertung (PRAC) der europäischen Arzneimittelkommission (EMA) durchgeführt. In dieser Studie wurde erstmals systematisch das Risiko einer väterlichen Valproinsäure-Behandlung während der drei Monate vor der Konzeption untersucht. Analysiert wurden Registerdaten von 5721 Kindern aus Dänemark, Norwegen und Schweden. Als Vergleich dienten Väter unter Monotherapie mit Lamotrigin (Lamictal® u.a.) oder Levetiracetam (Keppra® u.a.). Das Risiko von neurologischen Entwicklungsstörungen war in der Valproinsäure-Gruppe gegenüber der kombinierten Lamotrigin/Levetiracetam-Gruppe signifikant höher (adjustierte Hazard Ratio 1,50; 95%-Vertrauensintervall 1,09–2,07). Ein kausaler Zusammenhang konnte dabei nicht untersucht werden. Das Risiko für angeborene Fehlbildungen unterschied sich jedoch nicht zwischen den Gruppen.

Die EMA empfiehlt aufgrund der Resultate dieser Studie, die Valproinsäure-Fachinformation zu aktualisieren. Auch von Swissmedic ist eine entsprechende Informationsbroschüre verfügbar. Als Vorsichtsmassnahme sollten männliche Patienten über das mögliche Risiko informiert werden. Während der Anwendung von Valproinsäure und noch drei Monate darüber hinaus empfiehlt sich  eine zuverlässige Empfängnisverhütung für den Patienten und seine Partnerin. Bei Patienten, die planen, ein Kind zu zeugen, sollten andere Behandlungsoptionen in Betracht gezogen werden.
Geschätzte Lesedauer: Von 2 bis 3 Minuten
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Valproinsäure-Behandlung des Vaters riskant für ungeborene Kinder (26. Februar 2026)
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pharma-kritik, 47/No. 2
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