BCG-Impfung verhindert Tuberkulose eventuell doch
- Zusammenfassung: Renato L. Galeazzi
- infomed screen Jahrgang 10 (2006)
, Nummer 3
Publikationsdatum: 1. März 2006 - PDF-Download dieses Artikels (automatisch generiert)
Der Nutzen der BCG-Impfung (Infektions- und/oder Krankheitsverminderung), das Ausmass und die Art der Wirkung sind umstritten. Als sicher gilt, dass bei geimpften Kindern nach einer Infektion eine Tuberkulose (Tbc) seltener ausbricht und weniger schwer verläuft. Studien über den Nutzen werden erschwert durch den Umstand, dass der Test für eine durchgemachte Infektion (Mantoux-Test) bei BCGGeimpften auch ohne Infektion positiv ausfällt. In 7 Tbc- Kliniken im asiatischen Teil Istanbuls, wo fast 80% der Kinder geimpft sind, wurden Haushaltkontakte unter 16 Jahren (1’024 Kinder) von 443 ansteckenden Tbc-Kranken untersucht. Bei allen wurde ein Thoraxbild und ein Mantoux-Test (positiv galt ein Indurationsdurchmesser von grösser als 10 mm) durchgeführt. Ausserdem wurde ein Bluttest zum Nachweis der Gamma-Interferonfreisetzung von sensibilisierten Lymphozyten (ELISpot®) durchgeführt, welche nach BCG-Impfung nicht auftritt und welche für eine Infektion mit M. tuberculosis typisch ist. So kann zwischen einer Infektion mit M. tuberculosis und der BCG-Impfung unterschieden werden.
Von 209 Nicht-Geimpften waren 53% infiziert, von 770 Geimpften aber nur 40%. Dies entspricht einer verhinderten Infektion auf 7 Impfungen und einer relativen Risikoreduktion von 24%. Von 13 erkrankten Kindern waren nur 3 geimpft (23%) gegenüber 79% bei den Nicht-Erkrankten. Weitere Faktoren, die eine Infektion begünstigten, waren unter anderem das Vorhandensein mehrerer Infektionsträger im gleichen Haushalt und ein naher Verwandtschaftsgrad mit den primär Erkrankten.
Nachdem nun Tests erhältlich sind, die spezifischer für eine durchgemachte Infektion sind als der bewährte Mantoux- Test, kann die Schutzwirkung der BCG-Impfung besser studiert werden. Auch diese gründliche Studie bestärkt den Eindruck, dass insbesondere schwere Verläufe bei Kindern verhindert werden können, aber es scheint, dass auch das Infektionsrisiko abnimmt, was eine gute Nachricht wäre. Trotzdem muss die Empfehlung im schweizerischen Impfplan nicht geändert werden, dass nämlich nur Neugeborene und Kleinkinder unter 12 Monaten, welche aus Ländern mit einer hohen Tbc-Prävalenz stammen, und welche voraussichtlich wieder dorthin zurückkehren werden, die BCG-Impfung erhalten sollen.
Zusammengefasst von Renato L. Galeazzi
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