TELEGRAMM: Mehr Scheidungen bei Ärztinnen als bei Ärzten

  • -- Ly DP, Seabury SA, Jena AB. Divorce among physicians and other healthcare professionals in the United States: analysis of census survey data. BMJ 2015 (8. Februar); 350: h706 [Link]
  • Zusammengefasst von:
  • infomed screen Jahrgang 19 (2015) , Nummer 3
    Datum der Ausgabe: Juni 2015

Es wurde immer wieder vermutet, dass die überdurchschnittliche Arbeitsbelastung, die der Arztberuf mit sich bringt, zu einem generell höheren Scheidungsrisiko führen könnte. Gemäss einer Querschnittuntersuchung der amerikanischen Bevölkerung aus den Jahren 2008 bis 2013 trifft dies – zumindest in den USA – nicht zu. Ärztinnen und Ärzte hatten insgesamt ein ähnlich hohes Scheidungsrisiko wie Personen, die anderen Berufen (Zahnmedizin, Pharmazie, Rechtswissenschaften) tätig sind, und gar ein geringeres Scheidungsrisiko als Pflegende, Personen mit Managementfunktion im Gesundheitswesen und Fachleute ausserhalb des Gesundheitswesens. Unter den medizinisch Tätigen war hingegen bei den Frauen das Risiko rund anderthalbmal so hoch wie bei den Männern. Da bei den Ärztinnen im Gegensatz zu den Ärzten eine höhere Arbeitsbelastung auch mit einer höheren Scheidungsrate assoziiert war, wird vermutet, dass überdurchschnittliche Arbeitszeiten bei den Frauen zu mehr innerfamiliären Konflikten führen als bei Männern. Über die Gründe können wir nur spekulieren: Mehr Verständnis der Ehegattinnen für das berufliche Engagement ihrer Männer als umgekehrt? Grössere gesellschaftliche Akzeptanz abwesender Ehemänner als -frauen? Oder gar psychologische Faktoren bei den betroffenen Frauen selber?

Telegramm von Alexandra Röllin

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infomed-screen 19 -- No. 3
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Mehr Scheidungen bei Ärztinnen als bei Ärzten (Juni 2015)