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  • Disseminierte VZV-Infektionen durch Zoster-Impfstoff
  • Verfasst von: Urspeter Masche
  • Datum: 22. Juli 2021

Der Herpes-Zoster-Impfstoff Zostavax® enthält abgeschwächte Varicella-Zoster-Viren (VZV). Wie die australische Arzneimittelbehörde gemeldet hat, kann nach dieser Impfung in seltenen Fällen eine disseminierte VZV-Infektion auftreten, wobei auch Fälle mit tödlichem Verlauf vorgekommen seien. Das Risiko steigt mit zunehmendem Grad einer Immunsuppression. Deshalb ist Zostavax® kontraindiziert bei Personen, die krankheits- oder medikamentenbedingt eine starke Immunsuppression aufweisen.

Mitteilung der australischen Arzneimittelbehörde: Zostavax vaccine – Safety measures to address risk of infection with the vaccine virus

  • Schwere Hautreaktionen durch Atezolizumab (Tecentriq®)
  • Verfasst von: Urspeter Masche
  • Datum: 20. Juli 2021

Ein durch die britische Arzneimittelbehörde verschickter «Dear Doctor Letter» weist darauf hin, dass Atezolizumab, ein in der Onkologie eingesetzter monoklonaler Antikörper, schwere Hautreaktionen wie ein Stevens-Johnson-Syndrom oder eine toxische epidermale Nekrolyse hervorrufen kann. Das Risiko einer solchen Hautnebenwirkung wird auf 0,6 bis 0,7% geschätzt.

Britischer «Dear Doctor Letter»: Atezolizumab: Risk of Severe Cutaneous Adverse Reactions

Früherer BDN-Text: Atezolizumab (Tecentriq®) und autoimmune hämolytische Anämie

  • PARP-Hemmer erhöhen das Pneumonitis-Risiko
  • Verfasst von: Urspeter Masche
  • Datum: 15. Juli 2021

Substanzen, die das Enzym Poly-ADP-Ribose-Polymerase (PARP) hemmen – dazu gehören Niraparib (Zejula®), Olaparib (Lynparza®), Rucaparib (Rubraca®) und Talazoparib (Talzenna®) –, werden momentan vor allem zur Behandlung von gynäkologischen Tumoren (Ovarial- und Mammakarzinom) eingesetzt. In einer Metaanalyse bestätigte sich, dass diese Medikamente in seltenen Fällen eine Pneumonitis verursachen können (OR 2,68 [1,31–5,47]). In fast 90% der Fälle trat die Pneumonitis innerhalb von 6 Monaten nach Behandlungsbeginn auf.

Kurzform der Studie aus «Gynecologic Oncology»: Risk of pneumonitis in cancer patients treated with PARP inhibitors: A meta-analysis of randomized controlled trials and a pharmacovigilance study of the FAERS database

  • Implantatinfekte nicht zu kurz behandeln
  • Verfasst von: Urspeter Masche
  • Datum: 13. Juli 2021

Bei Infektionen von Gelenkprothesen werden in der Regel ein chirurgischer Eingriff mit einer mehrwöchigen Antibiotika-Therapie kombiniert. Da man die Antibiotika nur so lange wie nötig verabreichen will, wurde in einer randomisierten Studie eine kürzer dauernde mit einer länger dauernden Antibiotika-Gabe verglichen. 384 Patienten und Patientinnen mit einer infizierten Hüft- oder Knieprothese erhielten nach der chirurgischen Revision entweder eine 6- oder eine 12-wöchige Antibiotika-Behandlung; die Wahl der Antibiotika basierte auf den bakteriologischen Untersuchungen und den entsprechenden Leitlinien-Empfehlungen. Nach zwei Jahren betrug der Anteil der Personen, bei denen der Infekt nicht abgeheilt war, in der 6-Wochen-Gruppe 18,1% und in der 12-Wochen-Gruppe 9,4%. Mit diesem Unterschied von 8,7% (1,8%–15,6%) war für die 6-wöchige Behandlung das Nichtunterlegenheits-Kriterium nicht erfüllt.

Kurzform der Studie aus dem «New England Journal of Medicine»: Antibiotic Therapy for 6 or 12 Weeks for Prosthetic Joint Infection

  • Postoperatives Kortikosteroid nützt höchstens marginal
  • Verfasst von: Urspeter Masche
  • Datum: 8. Juli 2021

In einer placebokontrollierten Doppelblindstudie wurde untersucht, ob die Verabreichung eines Kortikosteroids die Komplikationsrate nach grösseren Operationen zu senken vermag. 1184 Personen, die sich einer grösseren Operation unterziehen mussten (z.B. Laparotomie wegen einer Krebserkrankung; ausgeschlossen waren Herzoperationen), erhielten unmittelbar nach dem Eingriff sowie einen Tag später einen intravenösen Bolus mit Dexamethason (0,2 mg/kg) oder Placebo. Innerhalb der ersten zwei postoperativen Wochen trat in der Dexamethason-Gruppe bei 17,0% der Patienten und Patientinnen eine postoperative Komplikation auf (Sepsis, Pneumonie, Ateminsuffizienz, Tod); in der Placebo-Gruppe war dies bei 19,9% der Fall. Der Unterschied war nicht signifikant (OR 0,81 [0.60–1,08]); weil das Vertrauensintervall aber weit war, muss ein gewisser Nutzen des Kortikosteroids doch in Erwägung gezogen werden.

Volltext der Studie aus dem BMJ: Effect of dexamethasone on complications or all cause mortality after major non-cardiac surgery: multicentre, double blind, randomised controlled trial

  • Antibiotika bei Lungenfibrose: Keine Verbesserung der Prognose
  • Verfasst von: Urspeter Masche
  • Datum: 6. Juli 2021

In einer randomisierten Studie wurde die Hypothese geprüft, ob eine Antibiotika-Prophylaxe bei idiopathischer Lungenfibrose einen Vorteil verspricht. 513 an einer Lungenfibrose erkrankte Patienten und Patientinnen wurden auf zwei Gruppen verteilt; in der einen Gruppe wurde zusätzlich zur üblichen Standardbehandlung ein Antibiotikum verordnet – entweder Cotrimoxazol (Bactrim® u.a., 2-mal 960 mg/Tag) oder Doxycyclin (Vibramycin® u.a., 1- bis 2-mal 100 mg/Tag) –, während in der anderen Gruppe nur die bisherige Therapie weitergeführt wurde. Der primäre Studienendpunkt setzte sich zusammen aus der Zahl der Ersthospitalisationen, die durch das Lungenleiden bedingt waren, und aus der Gesamtmortalität. Nach einer Beobachtungszeit von gut einem Jahr lag die Häufigkeit solcher Ereignisse in der Antibiotika-Gruppe bei 20,4 und in der Kontrollgruppe bei 18,4 pro 100 Personenjahre (HR 1,04 [0,71–1,53]).

Kurzform der Studie aus dem JAMA: Effect of Antimicrobial Therapy on Respiratory Hospitalization or Death in Adults With Idiopathic Pulmonary Fibrosis

  • Acetylsalicylsäure (Aspirin® u.a.) in der Sekundärprophylaxe: Kein Unterschied zwischen niedriger und hoher Dosis
  • Verfasst von: Urspeter Masche
  • Datum: 1. Juli 2021

In einer randomisierten, offen geführten Studie erhielten rund 15'000 Personen, die an einer manifesten kardiovaskulären Erkrankung litten, Acetylsalicylsäure, und zwar in einer Dosis von 81 mg oder 325 mg pro Tag. Als primären Endpunkt definierte man das Auftreten eines der folgenden Ereignisse: Hospitalisierung wegen eines Herzinfarkts oder wegen eines Schlaganfalls sowie Tod aus jeglicher Ursache. Während der Beobachtungszeit von gut 2 Jahren (Median) waren mit der 81-mg-Dosis 7,3% der Behandelten von einem solchen Ereignis betroffen, mit der 325-mg-Dosis 7,5% (HR 1,02 [0,91–1,14]). Auch ernsthafte Blutungen waren in den beiden Gruppen gleich häufig.

Kurzform der Studie aus dem «New England Journal of Medicine»: Comparative Effectiveness of Aspirin Dosing in Cardiovascular Disease